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Ein etwas anderes Projekt: Cantilever für die Papierindustrie
Ein etwas anderes Projekt: Cantilever für die Papierindustrie

Ein etwas anderes Projekt: Cantilever für die Papierindustrie

Münstermann hat sich in den letzten Jahren einen Namen als kompetenter Partner für Trocknungsanlagen, Entstaubungslösungen und anspruchsvolle Fördertechnik gemacht.

Die Wurzeln des Unternehmens liegen jedoch im kundenspezifischen Sonderanlagenbau. Ein Auftrag der Schlatter Industries AG) zeigt, dass die Münstermann-Entwickler bei Spezialaufgaben zu großer Form auflaufen.

Eine etwas andere Anwendung

Der Begriff Cantilever bezeichnet zunächst allgemein einen einarmigen Hebel, z. B. einen Kragträger für überhängende Bauwerke. In unserem Fall handelt es sich vereinfacht gesagt um eine freitragende Konstruktion, die als C-Bügel ausgeführt wird und dessen Ober- und Unterarm miteinander verschraubt sind. Am offenen Ende des Oberarms werden im Betrieb zumeist mehrere große Walzen befestigt, während der Unterarm in einem extra dafür geschaffenen Keller verschwindet und dort auf dem Kellerboden verankert ist. Der Oberarm erfüllt die Funktion eines Kragträgers, der Unterarm dient zur statischen Stabilisierung des Cantilevers oder unter Umständen auch als Fahrwerk zum Verfahren des gesamten Bauwerks in Längsrichtung.

Besonderheiten der Cantilever im Einzelnen

  • Die gesamte Cantilever-Konstruktion kann je nach Ausführung bis zu 60 t wiegen, wobei der Oberarm bis zu 18 m lang ist.
  • Die Durchbiegung des Oberarms darf auch bei einer Belastung von mehreren Walzen (Gesamtgewicht bis zu 160 t) nur 120 mm am offenen Cantilever-Ende betragen.
  • Die Walzen, die vom Cantilever aufgenommen werden, haben zumeist ein Einzelgewicht von ca. 40 t.
  • Ober- und Unterarm werden im C-Bügel-Rücken auf einer Länge von nur 2,5 m zusammengeschraubt.
  • Beim Verschweißen des Cantilevers werden über 600 kg Schweißdraht verbraucht.

Anwendungsbeschreibung

Der Cantilever ist Teil einer komplexen Anlage, auf der technische Gewebe für die Papierindustrie weiterverarbeitet werden. Nach der Bearbeitung werden die Gewebe dann in Papiermaschinen aufgezogen und als Transportsieb (Transportband mit Siebeigenschaften) verwendet, um Papierbahnen herzustellen. Da es sich bei den Geweben um Endlosbahnen handelt, müssen die Walzen einseitig auf dem offenen Cantilever-Arm gelagert werden, damit die Gewebe über die Walzen gezogen werden können. Sobald die Platzverhältnisse hierfür nicht ausreichend sind wird es erforderlich den gesamten Cantilever inkl. der Walzen in Längsrichtung zu verfahren. In diesem Fall ist der Cantilever auf Schienen gelagert und mit schweren Fahrwerkskomponenten ausgestattet. Somit ist es außerdem erforderlich, dass die beiden Enden jeder Walze im Cantilever aufgenommen werden. Nachdem die Gewebe aufgezogen sind werden diese gestreckt, thermofixiert, geschliffen und beschichtet und teilweise geglättet. Je nach Gewebeart kommen noch spezifische Bearbeitungsschritte hinzu.